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Montag, 17. Februar 2014

Kapitalerhöhung der FCB AG - Abzahlung der Restschuld der Allianz Arena Stadion GmbH

Aufgrund der Diskussionen der letzten Tage in der Presse und in diversen Foren (vor allem tm.de) erfolgt hier eine knappe Darstellung meiner Gedanken zum Plan der FC Bayern München AG (kurz "FCB AG" oder "AG"), die restlichen Bankverbindlichkeit der Allianz Arena Stadion GmbH (kurz "AA GmbH") zu tilgen sowie eine Aufstellung der Restschuld und der potenziellen finanziellen Entlastung durch eine vollständige Tilgung der Darlehen.

Stand 30.6.2012 bestanden bei der AA noch Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten i. H. v. 118,4 Mio EUR. Die veröffentlichten Zahlen zum Konzern (AG + Stadion GmbH) bei der Bilanzpressekonferenz 2013 gaben keine Hinweise darauf, dass es im Jahr 2012/13 zu Tilungen bei der GmbH kam, die über die reguläre Tilgung von 4,5 Mio EUR p.a. hinausgingen (ergo keine Sondertilgung).

Insofern kann zum 30. Juni 2013 von einer Restschuld i. H. v. ca. 114 Mio EUR ausgegangen werden. Zudem bestand weiterhin noch eine Verbindlichkeit ggü. der FC Bayern München AG über 40 Mio EUR, die noch aus der gemeinsamen Eigentümerschaft mit den Löwen kommt.



Von der Audi-Kapitalerhöhung bei der AG (ca. 90 Mio EUR) wurden insgesamt 35 Mio EUR für eine Sondertilgung von Darlehen der Allianz Arena Stadion GmbH verwendet (2011); diese wurden durch eine Eigenkapitalzuführung der AG in die AA GmbH eingebracht. Gemäß Verbindlichkeitenspiegel der AA GmbH sind in den nächsten fünf Jahren (Stand 30. Juni 2012) außer den vertraglichen Tilgungen von 4,5 Mio EUR keine Verbindlichkeiten ggü. KI fällig.


Die Zinsbelastung der AA GmbH liegt auf Basis des JA 2012 bei 8,6 Mio EUR. Gemäß Bilanz entfallen 8,6 Mio EUR davon auf die Verbindlichkeiten ggü. KI. Insofern beläuft sich der Zinssatz auf 8,6 Mio EUR / 120 Mio EUR = 7,2 % und liegt damit deutlich über dem derzeitigen Zinsniveau.

Seitens des KI wird kein großes Interesse bestehen ein eigentlich "sicheres" Investment mit 7,2% Verzinsung frühzeitig abzulösen, da es derzeit am Kapitalmarkt deutlich geringe Renditen erzielt. Durch Grundschulden oder Hypotheken gesicherte Immobiliendarlehen mit einer Zinsbindung bis zehn Jahren kann man in der Regel nicht vorzeitig kündigen. Für die vorzeitige Rückzahlung eines Darlehens ist man insofern grundsätzlich auf das Wohlwollen des KI angewiesen. Wenn das KI sich hierauf einlässt, ist von einer saftigen Vorfälligkeitsentschädigung auszugehen (Geld, welches das KI vom Kreditnehmer für den "entgangenen Zins" erhält). Wie hoch diese ausfallen würde, kann aufgrund der öffentlich zugänglichen Datenlage nicht abgeschätzt werden.

Es besteht jedoch nach § 489 I S.2 BGB ein Kündigungsrecht für langläufige Darlehensverträge:
"Der Darlehensnehmer kann einen Darlehensvertrag mit gebundenem Sollzinssatz ganz oder teilweise kündigen, ... in jedem Fall nach Ablauf von zehn Jahren nach dem vollständigen Empfang unter Einhaltung einer Kündigungsfrist von sechs Monaten; wird nach dem Empfang des Darlehens eine neue Vereinbarung über die Zeit der Rückzahlung oder den Sollzinssatz getroffen, so tritt der Zeitpunkt dieser Vereinbarung an die Stelle des Zeitpunkts des Empfangs."

Angesichts der hohen Zinssätze, die die GmbH zahlt, kann eine zwischenzeitlich neue Zinsvereinbarung faktisch ausgeschlossen werden. Eine Änderung über die Vereinbarung zum Rückzahlungszeitpunkt erscheint angesichts der konstanten Tilgungsraten in den letzten Jahren ebenfalls unrealistisch - ist aber nicht auszuschließen. Insofern könnte ein solches Kündigungsrecht  vorliegen. Der vollständige Erhalt der Darlehen sollte wohl 2004/2005 erfolgt sein; bei Fertigstellung der AA. Hiernach könnte im besten Fall irgendwann zwischen Mitte 2014 bis Mitte 2015 ein solches Kündigungsrecht vorliegen. Ggfs. wurden die Verträge aber erst bei der endgültigen Übernahme aller AA-Anteile durch den FCB von den Löwen geschlossen. Entsprechend zeitlich deutlich später bestünde dann auch erst das ordentliche Kündigungsrecht nach 10 Jahren.

Vor dem Hintergrund des klaren Kommunizierens in der Presse, dass man die Abzahlung der Restschuld plant und dieses Mal auch wirklich durchführt (bei den Audi-Millionen war dies ja nicht der Fall bzw. nur teilweise), erscheint es plausibel, dass man sich entweder mit dem KI bereits über eine moderate Vorfälligkeitsentschädigung geeinigt hat oder dass das Kündigungsrecht nach § 489 I S.2 BGB tatsächlich vorliegt und die AA GmbH plant, davon Gebrauch zu machen. [Update: Nach Interviews mit CFO Dreesen gestaltet sich eine Tilgung wohl schwieriger als ursprünglich gedacht!]


Ein weiteres Thema der letzten Tage sind die Ausführungen der Presse über die Vormachtstellung des FCB und die Auswirkungen der Kapitalerhöhung auf die Finanzkraft des FCB. In früheren Jahren geisterten Zahlen von 30 - 40 Mio EUR herum, um die der FCB nach vollständiger Abzahlung der Verbindlichkeiten für die AA GmbH jährlich entlastet werden würde. Dies Zahlen erscheinen - unter GV-orientierter-Betrachtung als auch unter Cashflow-Betrachtung - deutlich zu hoch.

Bei einer Rückzahlung der bestehenden Bankverbindlichkeiten der AA GmbH würden in der GV-Rechnung der AA GmbH lediglich die jährlichen Zinszahlungen wegfallen. Die jährliche Entlastung liegt somit bei 8,6 Mio EUR p.a.; vor Steuern wohlgemerkt (Verlustvortrag per JA2010: 21,5 Mio EUR, daher in den nächsten Jahren "steuerfrei").


In der Cash-Betrachtung fallen neben den Zinsaufwendungen ebenfalls die Tilgungsaufwendungen der AA GmbH weg, die sich jährlich auf 4,5 Mio EUR belaufen. Der bisherige Tilgungsaufwand für das Bankdarlehen kann nunmehr für das Darlehen der FCB AG verwendet werden: Der FCB AG würden auf diesem Wege für die nächsten 8-9 Jahre jährlich ca. 4,5 Mio EUR zufließen - dies in diesem Fall steuerfrei.

Cashseitig hat der Gesamtkonzern FCB durch die Rückzahlung der Darlehen somit eine Entlastung von ca. 13 Mio EUR im Vergleich zum Status quo, vor Steuern auf den Zinsanteil der Verbesserung. Diese 13 Mio EUR kann der FCB selbstverständlich gut gebrauchen; für den Aufstieg zur "europäischen Supermacht" (Spox) im wirtschaftlichen Sinne reicht das allein angesichts der Entwicklungen bei Manchester United und des ungebrochenen Wachstumstrends bei Real Madrid (trotz europäischer Erfolgslosigkeit) aber noch lange nicht. Hier bedarf es vor allem in der ausländischen Vermarktung (TV-Gelder der DFL und Eigenvermarktung des Vereins) und bei der Ticketpreis-Gestaltung noch erhebliche Anpassungen und Anstrengungen.

Sonntag, 1. September 2013

Anmerkungen zum Jahresabschluss 2011/12 der FCB AG anlässlich der VÖ im Bundesanzeiger


Die Jahresabschlüsse des FC Bayern München (Konzern und AG) von 2011/12 sind nun im Bundesanzeiger abrufbar. Die Bilanz und die GuV wurden ja großteils - soweit anhand des FCB veröffentlichten Datenmaterials anlässlich der JHV - bereits recht ausführlich von mehreren Personen besprochen.

Ein paar Interessante Facts kann man dennoch noch aus der Konzernbilanz bzw. der Bilanz der AG herauslesen sowie der Bilanz der AA Stadion GmbH herauslesen. Das hier soll keine Bilanzanalyse im engeren Sinne sein und ist fernab von vollständig. Ich hab die Bilanzen mal quergelesen und die interessantesten Dinge, die mir beim Lesen ins Auge gestochen sind, mal niedergeschrieben - manche interessante Sachen sind mir beim ersten Lesen bestimmt entgangen.

Montag, 26. November 2012

Kurzanalyse Bilanz der Allianz Arena Stadion GmbH per 30.6.2011

Kurzanalyse in Stichworten zur Allianz Arena Stadion GmbH-Bilanz 2011, veröffentlicht im Bundesanzeiger


Vorbemerkung zum Konsolidierungskreis des FC Bayern:
Wir müssen beim FC Bayern drei Bilanzen unterscheiden. Die Bilanz der FC Bayern München AG (folgend "FCB AG" oder "AG"), die Bilanz der Allianz Arena Stadion GmbH (folgend "AA GmbH") sowie die Konzernbilanz des FC Bayern München (folgend "Konzern"), in die die beiden erstgenannten einbezogen werden. Teil der Konzernbilanzierung ist es, Umsätze, Aufwendungen, Verbindlichkeiten etc. zwischen den beiden einbezogenen Unternehmen zu eliminieren (i.e. "konsolidieren").

Erkenntnisse:


  • erstmals Gewinn trotz massiver Drohverlustrückstellung wegen Cross-Currency-Swap (8 Mio neu, insgesamt nun 10,5 Mio EUR Drohverlustrückstellungen) vornehmlich aufgrund um 7 Mio EUR geminderter Abschreibung,
  • Umsätze fast unverändert,
  • Restschuld ggü. Banken 123 Mio EUR, in 10/11 gab es eine Sondertilgung einer Anleihe über 35 Mio zusätzlich zur vertraglichen Tilgung von ca 4,5 Mio EUR.
  • Verlustrisiko aus Cross-Currency-Swap zum Stichtag bei 20,3 Mio EUR [entspräche dem maximalen Verlustrisiko sofern die CHF/EUR weiterhin bei 1,20 CHF/EUR halten -> abgeschirmt durch Drohverlust-Rückstellungen ist bislang in etwa die Hälfte des derzeitigen "Verlusts" (negativer Zeitwert)]. Dass der CHF-Kurs bis 15.7.2013 weit über dem jetztigen Kurs (1,20 EUR/CHF) liegen wird ist aufgrund der Euro-Krise fast ausgeschlossen. Der Break-Even-Kurs von 1,5255 wird mit an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit nicht bis dahin erreichet werden, d.h. ein Verlust wird realisiert werden (Auflösung der Rückstellung plus ggfs. Zuzahlung)
    • Zwischenerklärung des Cross-Currency-Swaps des FCB:
      Bayern hat dem Kontrahenten zu Beginn der Laufzeit 75 Mio EUR gezahlt, der Kontrahent hat diese 75 Mio EUR mit Bayern gegen 114,4 Mio CHF getauscht (entspricht dem damaligen Wechselkurs).
      Während der Laufzeit werden die Zinszahlungen, die in EUR bzw. CHF jeweils fällig wären getauscht (=Swap); ich gehe nicht weiter auf die genaue Ausgestaltung ein, da wir die Ausgestaltung des CCS nicht kennen.
      Zum Ende der Laufzeit werden die Ursprungszahlungen wieder zurückgetauscht. Bayern erhält 75 Mio EUR vom Kontrahent, der Kontrahent 114,4 Mio CHF von Bayern (Kapitalrücktausch zum bei Abschluss gültigen Wechselkurs; Gegenwert in EUR derzeit 95 Mio EUR).
      Ursprüngliches Ziel: Zinsänderrungsrisiko ausschalten, Währungsrisiko erschien vernachlässigbar (was ein Trugschluss war, aufgrund der Entwertung des Euros im Zuge der Finanzkrise)

      Zitat aus der Bilanz:
      Ein zur Absicherung des Zinsrisikos abgeschlossener Cross-Currency-Zinsswap über nominal € 75 Mio. bedingt, dass zum 15.07.2013 CHF 114,4 Mio. von der Allianz Arena München Stadion GmbH eingedeckt werden müssen. Im Gegenzug erhält die Gesellschaft € 75 Mio.

  • Außer der vertraglichen Tilgung wird in den nächsten 5 Jahren nichts fällig an Darlehen, Sondertilgungen wird es wohl weiterhin aufgrund der von Banken verlangten Vorfälligkeitsentschädigungen (aufgrund des Unterschieds des Zinsniveaus zwischen heute und damals; heute Zinsniveau niedriger, für die Banken lohnt sich eine Rückzahlung nicht) nicht geben.
  • Zinsaufwand aufgrund verminderter Restschuld im 1 Mio EUR gemindert, sollte in den Folgejahren noch kleiner werden
  • Trotz der CCS-Problematik sollte die AA in Zukungt gewinne erzielen. Aber 13/14 nach Ablauf des CCS wohl im oberen einstelligen Millionenbereich
  • Wann ist die Arena schuldenfrei? -> nicht genau abzusehen weil wir die Vertragsausgestalungen (Sondertilgungsmöglichkeiten) nicht kennen. Die Nettoverschuldung (net debt) ist bereits "0" da die liquiden Mittel insgesamt (nicht AA sondern Konsolidierungskreis des gesamten Konzerns) dieFinanz-Verbindlichkeiten übersteigen (auch "fast" unter Hinzurechnung der so. Verbindlichkeiten und Forderungen des Konzerns). Derzeit versauert viel Cash auf dem Festgeldkonto zu miesen Konditionen während man relativ hohe Zinsen auf die AA-Darlehen bezahlt (9,7 Mio EUR in 10/11). Sondertilgungen sind für die Banken jedoch nicht erstrebenswert (siehe oben). Den Cashflow für die laufende Tilgung der AA generiert die AA selbst. Eventuell sollte die AG über andere Wege nachdenken das Cash ertragsreicher zu investieren (-> Spielerkader -> mehr Erfolg -> mehr Sponsoring und C-Einnahmen etc -> wheel of fortune oder irgendwelche Immobilienobjekt à la ManCity) als das Geld so lange auf dem Festgeld liegen zu lassen bis sich irgendwann das Zinsniveau wieder erhöht und die Vorfälligkeitsentschädidung bei den Banken so überschaubar ist, dass man die AA in Gänze abtilgt

FCB - Bilanz 2011/12 - Kurzinterpretation

Die neusten Zahlen des FC Bayern München (Konzern) für 2011/2012:
http://www.fcbayern.telekom.de/media/native/pressemitteilungen/jahresabschluss_konzern_11_12.pdf
http://www.fcbayern.telekom.de/media/native/pressemitteilungen/jahresabschluss_ag_11_12.pdf
http://www.fcbayern.telekom.de/media/native/pressemitteilungen/kennzahlen_ev_11_12.pdf
http://www.fcbayern.telekom.de/media/native/pressemitteilungen/finanzzahlen_2011_12.pdf

Umsatz AG: 332,2 Mio EUR
Gewinn: 11,1 Mio EUR
Umsatz: Konzern: 373,4 Mio EUR